Menschenbilder:

Kaiserin Maria Theresia inszeniert sich als Witwe

1765 starb gänzlich unerwartet Kaiser  Franz I., ausgerechnet während der prachtvollen Hochzeit des Sohnes Leopold in der Innsbrucker Hofburg. Maria Theresia war untröstlich und inszenierte in den folgenden Jahren ein umfassendes visuelles Gedächtnisprogramm: Gedenkmünzen wurden geprägt, Kapellen gebaut und sogar der Triumphbogen, der anlässlich der Hochzeit errichtet wurde, zum Trauerbogen umgewidmet. Bis zu ihrem eigenen Tod trug sie Trauer und lebte in Wohnräume, die in Trauerfarben gestaltet waren. Regelmäßig besuchte sie ihren geliebten Ehemann in der Kapuzinergruft, wo sich das Paar schon zu Lebzeiten einen einzigartigen Sarg hat schaffen lassen: Gemeinsam ruhen ihre jugendlichen Skulpturen auf dem Deckel und schauen sich ewig in Liebe an.