Menschenbilder:

Liebe bis in den Tod. Drei ermordete Mätressen.

Dieser Vortrag erzählt von drei Mätressen, deren Existenz als so bedrohlich empfunden wurde, dass man sie ermordete. Gemeinsam ist ihr früher Tod, und gemeinsam ist auch ihr Gedenken. Denn die untröstlichen Liebhaber setzten ihnen prächtige Denkmäler und pflegten ihr Seelenheil durch aufwändige Stiftungen.


Die erste von ihnen ist Ines de Castro (1320 – 1355), die mit dem portugiesischen Thronfolger Pedro I. lebte. Dessen Vater ließ sie enthaupten, worauf es zu einem jahrelangen Streit zwischen Vater und Sohn kam. Als Pedro schließlich selbst den Thron von Portugal bestieg, ließ er für sich und seine große Liebe Ines im Kloster Alcobaca zwei riesige Särge aufstellen, aus denen einst die beiden am Tag der Auferstehung sich so aufrichten werden, dass sie sich ansehen können.
Ein identisches Schicksal ereilte Agnes Bernauer (um 1410 – 1435), die Geliebte des bayerischen Herzogs Albrecht III. Auch in diesem Fall war der Vater des Liebhabers verantwortlich für ihren Tod, er ließ sie bei Straubing ertränken. Um seinen Sohn zu versöhnen, ließ der alte Herzog persönlich die Gedächtniskapelle für die ermordete Agnes erbauen, während Albrecht für eine „ewige Messe“ sorgte.
Die dritte im Bund ist Agnes Sorel (+ 1450), die Mätresse von Karl VII. Über ihren plötzlichen Tod gab es viele Gerüchte, und tatsächlich konnte in den sterblichen Resten Arsen nachgewiesen werden. Für das prächtige Grabmal gab der König selbst in Auftrag.
In späteren Zeiten wäre es undenkbar gewesen, einer Mätresse so prächtig zu gedenken. War das Mittelalter tatsächlich toleranter?